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Wie werde ich Unternehmer?
Wohl jeder hat schon einmal davon geträumt, sich selbständig zu machen, ein Unternehmen zu gründen und sein eigener Herr zu werden. Für viele bleibt es immer ein Traum und nur wenige machen sich tatsächlich auf, um diesen Traum zu verwirklichen.
Hier möchte ich davon berichten, wie ich Unternehmer wurde. Und Ihnen Ratschläge auf Ihrem Weg zur Unternehmerin oder zum Unternehmer mitgeben, die auf meinen Erfahrungen der letzten Jahre beruhen.
Wie wurde ich Unternehmer?
Ich startete mein erstes Unternehmen als ich noch zur Schule ging. Ich war richtig gut in Mathematik und Physik, weil ich die ganzen Erklärungen durchdachte und alle Aufgaben durchackerte, bis mir das Thema völlig klar war. Und da es mir völlig klar war, konnte ich meinen Klassenkameraden Mathe und Physik auch sehr gut erklären. Die haben selten die notwendige Energie aufgebracht, um alles selbst auszutüfteln. Ich habe ihnen zugehört, wenn sie mir erklärten, wie sie eine Aufgabe lösen würden. Ich versuchte rauszufinden, wo ihre Denkfehler lagen. Und dann zeigte ich ihnen, wie sie das Denken abschalten können, die Grundlagen lernen und dann einfach mechanisch die Aufgaben lösen können. Und sie bekamen tatsächlich bessere Noten.
Eines Tages machten mich meine Eltern darauf aufmerksam, dass manche Eltern mir sogar Geld für das geben würden, was ich gerne und freiwillig tat: Ihren Kindern beizubringen, wie sie bessere Noten bekommen können. Also habe ich angefangen Geld für meine Hilfe zu verlangen und habe einen Haufen Geld verdient: Genug um mir eine E-Gitarre, Noten und einen Stapel von Büchern (meist über Mathe) zu kaufen.
Später an der Uni habe ich entdeckt, dass ich sehr gerne programmiere. Ich begann als Tutor für Pascal und Modula zu arbeiten. Dabei kam mir die Erfahrung aus meinem ersten Unternehmen natürlich zu gute. Dann begann ich an zwei Tagen in der Woche für Schärfe System als Programmierer zu arbeiten. Sie wollten mich nicht einstellen, sondern wollten, dass ich Ihnen jeden Monat eine Rechnung stelle. Daher war ich gezwungen, ein Gewerbe anzumelden, mich um meine Krankenversicherung zu kümmern und Steuern zu bezahlen (Umsatzsteuer und Einkommenssteuer).
Nach der Uni habe ich für drei Firmen als Angestellter gearbeitet. Ich verbrachte 18 Monate bei Think Tools (Starnberg), bevor ich wieder zurück nach Tübingen zu meiner damaligen Verlobten und jetzigen Frau ging. Dann arbeitete ich 6 Monate lang bei KIS (Pliezhausen, schon mal davon gehört?) um festzustellen, dass ich ungern widersprüchliche Anweisungen von zwei verschiedenen Vorgesetzten bekomme. Ich kündigte und arbeitet 6 Monate für h&m systemtechnik, bevor diese Firma pleite ging.
Da erkannte ich zwei Dinge: Erstens, dass ich einen schlechten Angestellten abgebe; Zweitens, dass ich auch als Inhaber einer Arbeitsstelle kein sicheres Einkommen habe. Daher arbeitete ich für die nächsten vier Jahre als freiberuflicher Programmierer und gründete im Jahr 1998 zusammen mit einem Partner die AddOn Software GmbH.
Warum Unternehmer werden?
Um Unternehmer zu werden gibt es viele gute und viele weniger gute Gründe. Der Wunsch etwas zu bewegen, eine Idee zu verwirklichen, seinen eigenen Weg zu gehen, unabhängig zu sein, Kunden und der Gesellschaft etwas Wertvolles zu bieten, sein Talent zu entwickeln: All das sind sicher gute Grunde.
Schnell reich werden, auf der faulen Haut liegen können, luxuriös leben: All das sind Träume, die nur selten real werden. Und Sie letztendlich wohl auch daran hindern werden, überhaupt irgend etwas auf die Beine zu stellen.
Und wie stellen Sie es an?
Jede Unternehmerin und jedes Unternehmen geht sicher seinen eigenen Weg. Viele scheitern, sehr viele wursteln sich so durch, einige haben Erfolg, einige wenige sogar grossen Erfolg. Letztlich wird jede und jeder seinen eigenen Weg gehen. Auf meinem Weg habe ich das Folgende gelernt.
Klein anfangen
Am Anfang brauchen Sie kein Logo und keinen Briefkopf. Sie brauchen kein Telefon und kein Fax, keinen Laptop und keinen Dienstwagen. Sie brauchen auch keinen Firmennamen und nicht einmal einen Briefkasten. Denn all diese Dinge werden Sie sich nicht leisten können. Und Sie werden anfangs Ihren Lebensunterhalt auch nicht aus Ihrer Selbständigkeit bestreiten können.
Was Sie am Anfang brauchen ist etwas, das jemand anderes haben will. Mit anderen Worten: Was Sie am Anfang brauchen, ist ein Kunde. Ob dieser Kunde nun zahlt oder nicht ist erst mal völlig egal, Hauptsache Sie können ihm etwas bieten, was er haben will.
Und damit können Sie schon anfangen: Sie haben ein winziges Produkt, eine kleine Dienstleistung, die jemand haben will. Damit haben Sie einen Markt und können diesen ausbauen. Sagen wir, Sie können gut zeichnen. Für die ersten Kunden gestalten Sie Logos noch umsonst. Sie verlangen das erste Geld für ein Logo, vielleicht nur 50 Euro. Aber sie haben einen Markt, lernen diesen Markt kennen, bekommen ein Gefühl für die Arbeit, die Sie reinstecken müssen, bekommen eine Ahnung von den Preisen, die Sie in diesem Markt realisieren können.
Und das ganze machen Sie nebenher. Neben der Schule, der Ausbildung, der Studium, der Arbeit. Sie können nicht davon leben, eine ganze Weile nicht. Aber das macht nichts, Sie sind ja nicht darauf angewiesen.
Mit etwas beginnen, das man wirklich gut kann
Sie haben kein Geld, Sie haben keine Ausrüstung, Sie haben keine Erfahrung. Daher müssen Sie mit etwas beginnen, was Sie wirklich gut können.
Setzen Sie sich hin und machen sich eine Liste der Dinge, die Sie wirklich gut können. Egal was. Dann gehen Sie durch diese Liste durch und überlegen sich, wer das brauchen könnte. Und dann gehen Sie los, und versuchen ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung an die Frau bzw. den Mann zu bringen.
Es wird sehr viel mehr Dinge geben, die sie nicht können und nicht haben. Das werden sogar Dinge sein, die sie eigentlich gut gebrauchen könnten: Geld, Beziehungen, Verhandlungssicherheit, rhetorisches Geschick, geschliffene Umgangsformen, Marktkenntnisse, EDV-, Buchhaltungs- und Rechts-Kenntnisse. Machen Sie sich nichts draus. Sie werden es lernen. Oder lernen, sich helfen zu lassen.
So früh wie möglich anfangen
Je früher Sie anfangen, desto mehr Fehler können Sie machen. Je mehr Fehler Sie machen, desto mehr können Sie daraus lernen und desto mehr Gewinn können Sie daraus schlagen.
Lernen ist nicht leicht. Es braucht seine Zeit. Und je früher Sie anfangen, desto mehr Zeit haben Sie zum Lernen.
Da Sie auch klein anfangen, wirken sich die kleinen und großen Fehler, die Sie garantiert machen werden, nicht so sehr aus. Später werden Sie dann einige - nicht alle - Fehler vermeiden lernen.
Ach ja, und fangen Sie bitte nicht mit Plänen an. Fangen Sie damit an, jemandem etwas zu verkaufen, und sei es für umsonst. In Plänen können Sie sich so leicht verlieren. Besonders in Business-Plänen. Die gehören eigentlich ins Genre der Phantastischen Literatur.
Ein Schritt nach dem anderen
Fangen Sie klein an, fangen Sie früh an und dann machen Sie immer weiter. Sie müssen ausdauernd sein, und einen Schritt nach dem anderen gehen: Den ersten Kunden finden, den zweiten Kunden finden, den Markt erforschen, Geld verlangen, Netzwerke aufbauen, Ihr Produkt oder Ihren Service positionieren, Marktkommunikation betreiben, mit Ämtern sprechen, ein Unternehmen gründen, auf die Finanzen achten, Ihr Produkt und Ihren Service permanent verbessern, Berater einsetzen, Mitarbeiter auswählen.
Doch langsam, ein Schritt nach dem anderen. Es dauert, bis Sie etwas gelernt haben, bis Sie wirklich sicher sind. Es geht nicht von heute auf morgen. Doch dran bleiben müssen Sie!